Theodor Storm's - Schimmelreiter

Theodor Storm's - Schimmelreiter - Kurzinhalt

Hauke, Sohn eines Landvermessers und Kleinbauern, setzt sich, anstatt sich mit Gleichaltrigen zu treffen, viel lieber mit der Arbeit seines Vaters auseinander. Er schaut dem Vater zu und hilft ihm beim Ausmessen und Berechnen von Landstücken.

So lernte er extra Niederländisch, um eine niederländische Ausgabe von Euklids Werken lesen zu können, die der Vater besitzt. Fasziniert scheint er von der See und von den Deichen zu sein. Oft sitzt er bis in die tiefe Nacht am Deich und beobachtet, wie die Wellen an den Damm schlagen. Er überlegt, wie man den Schutz vor Sturmfluten verbessern könnte, indem man die Deiche zur See hin länger anlegen würde. Manchmal nimmt er auch ein bisschen Kleierde mit nach Hause und knetet bei Kerzenschein Deichmodelle, die er dann in einem Wasserbecken testet, indem er künstliche Wellen erzeugt. Dem Vater ist diese Gelehrsamkeit bald zu viel.

Als der örtliche Deichgraf Tede Volkerts einen seiner Knechte entlässt, bewirbt sich Hauke um die Stelle und wird angenommen. Doch auch hier hilft er dem Deichgrafen mehr beim Rechnen und Planen als in den Ställen, was dem Deichgrafen zwar gut gefällt, ihn aber bei Ole Peters, dem Großknecht, unbeliebt macht. Da Hauke auch das Interesse von Elke, der Tochter des Deichgrafen, wecken kann, verschärft sich der Konflikt zwischen Hauke Haien und Ole Peters weiter.

Binnen kurzer Zeit versterben Haukes und Elkes Väter. Hauke erbt Haus und Land seines Vaters. Als es darum geht, die Stelle des Deichgrafen neu zu vergeben, keimt der Konflikt zwischen Hauke und Ole erneut auf. Traditionell wird Deichgraf, wer das meiste Land sein Eigen nennen kann. Dies wäre nun Ole Peters gewesen, der zwischenzeitlich in eine Familie eingeheiratet hat, die mehr Land als Hauke besitzt. Gegenüber dem Oberdeichgrafen, der die Stelle des örtlichen Deichgrafen zu vergeben hat, ergreift Elke das Wort und erklärt, sie sei bereits mit Hauke verlobt und durch eine Hochzeit werde Hauke somit das größte Stück Land in der Region besitzen. So wird Hauke Deichgraf.

Hauke setzt nun die neue Deichform, die er als Kind bereits geplant hat, in die Tat um. Vor einem Teil des alten Deiches lässt er einen neuen bauen, ein neuer Koog entsteht und somit mehr Ackerfläche für die Bauern. Die Rituale der Deichbauern verlangen aber, dass „etwas Lebendiges“ im Deich verbaut werden muss. Zuweilen hatte man früher Zigeunern Kinder abgekauft und diese lebendig in den Sandmassen begraben. Doch Hauke untersagt diesen Brauch beim Bau seines neuen Deiches – als die Arbeiter einen Hund eingraben wollen, rettet er diesen – und so sehen viele einen Fluch auf diesem Deich lasten.

Unheimlich erscheint den Dorfbewohnern ihr Deichgraf auch durch sein Pferd: einen edel aussehenden Schimmel, den er, krank und verkommen, einem gaunerhaften Reisenden abgekauft und herausgefüttert hat, der angeblich von einem Pferdeskelett auf einer nahen Hallig kommt, das bei seinem Erscheinen verschwunden war. Oft wird er mit dem Teufel in Verbindung gebracht und sogar selbst als dieser bezeichnet.

Tagein, tagaus beobachtet er seinen Deich, indem er ihn mit seinem Schimmel abreitet. Der neue Deich hält den Stürmen stand, doch der alte Deich, der rechts und links des neuen Kooges weiterhin verläuft und dort die vorderste Front zur See darstellt, wird vernachlässigt. Als Jahre später eine Sturmflut hereinbricht und der alte Deich an einer Stelle zu brechen droht, durchstößt man den von Hauke geplanten und gebauten Deich auf den Wunsch seines Widersachers Ole Peters, da dieser sich damit erhofft, dass sich die Kraft des Wassers auf den neuen noch unbewohnten Koog konzentrieren werde.

Doch während sich die Arbeiter mit dem Durchstechen des neuen Deiches beschäftigten, bricht der alte Deich. Als in jener Nacht auch Elke mitsamt ihrer gemeinsamen Tochter Wienke, die geistig behindert ist, auf den Deich hinausfährt, muss Hauke mit ansehen, wie die durch den Deichbruch in den Koog schießenden Wassermassen Frau und Kind unter sich begraben. In seiner Verzweiflung stürzt er sich ebenso mitsamt Pferd in die Wassermenge, die das Land überflutet, und ruft dabei:

„Herr, Gott, nimm mich, verschon' die anderen!“

Damit endet die Erzählung des Schulmeisters. Er weist darauf hin, dass andere die Geschichte anders erzählen würden, so seien seinerzeit alle Einwohner des Dorfes überzeugt gewesen, dass das Pferdeskelett nach Haukes Tod wieder auf der Hallig gelegen habe. Er fügt noch an, dass Hauke Haien bis heute keine Ruhe gefunden habe. Und immer dann, wenn am Deich Gefahr drohe, sei ein Reiter auf einem Schimmel zu sehen. Gleichwohl verweist der Erzähler darauf, dass der neue, von Hauke Haien erschaffene Deich noch immer den Fluten standhalte, obgleich sich die erzählte Geschichte bereits vor fast hundert Jahren zugetragen haben soll.

(Quelle: Wikipedia)


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